Eine Ex-Mitarbeiterin berichtet von ihrer Entlassung und ihrer momentanen Situation
Rebekka Meier heißt eigentlich anders, ihren richtigen Namen möchte sie aber nicht in der Zeitung lesen. Gerade kommt sie von einem Bewerbungstraining, zu dem sie die Agentur für Arbeit geschickt hat. "Das war sehr hilfreich. Ich war etwas unsicher, wie ich mich richtig bewerbe."
Wie viele andere der sogenannten Schlecker-Frauen hängt sie in einem luftleeren Raum. Offiziell ist sie von ihrer Arbeit freigestellt - üblich bei Insolvenzen, um die Kündigungsfrist auszusetzen.
Um sich bewerben zu können, braucht Meier eigentlich ein Arbeitszeugnis von Schlecker, außerdem einen Arbeitsnachweis, um Geld von der Agentur für Arbeit zu bekommen. Auf die Unterlagen wartet sie bisher vergebens.
Zudem steht auch noch Geld von ihrem ehemaligen Arbeitgeber aus. Auf 25 Prozent des Märzgehalts mussten die Mitarbeiterinnen im Zuge des Insolvenzverfahrens zunächst verzichten, berichtet sie. Das Geld sollte Anfang April nachträglich überwiesen werden. "Bisher habe ich nur einen Bruchteil erhalten."
Viele Jahre lief es bei Schlecker gut für Rebekka Meier. Im Jahr 2001 ging sie kurz nach ihrer Ausbildung zur Fachverkäuferin zu der Drogeriekette und bekam dort direkt eine Anstellung als Filialleiterin. "Das war natürlich toll, ich war ja gerade mal Anfang 20."
Sie sei immer gerne zur Arbeit gefahren, die Verantwortung habe ihr Spaß gemacht. "Außerdem habe ich gut verdient." Jetzt fehlt ihr das Geld. Rebekka Meier hat zwei kleine Kinder (vier und sechs Jahre), die sie alleine erzieht.
Bis Ende 2011 arbeitete Meier in einer Schlecker-Filiale in Bärenkämpen. Im November sei die Information gekommen, dass die Filiale geschlossen wird. "Wir haben die Anweisung bekommen, dass wir unseren Resturlaub nehmen sollen." Dann folgte eine Odyssee: Meier wurde in die Filiale an der Obermarktstraße versetzt, später in die Stiftstraße, dann in die Niederlassung Schwabenring.
Wie es mit Schlecker und ihren Arbeitsplätzen weitergehen sollte, darüber gab es selten genaue Informationen, sagt Meier.
Per Fax wurden die Mitarbeiterinnen über die weiteren Entwicklungen informiert. "Oft kamen die Informationen aber erst, wenn es schon in der Presse gestanden hatte. Wir sind auf dem Zahnfleisch gegangen." Das Hin und Her endete erst am 30. März, dem Tag an dem sie ihre Kündigung im Briefkasten liegen hatte.
Wie es jetzt genau weitergeht, weiß sie nicht. "Ich fange jetzt an, mich zu bewerben. Ich muss einfach auf Verständnis bei Arbeitgebern hoffen, dass ich wegen der Kinder noch nicht so flexibel bin." Demnächst will Meier mit ihrem Freund zusammenziehen. "Dann kann er auch mal auf die Kinder aufpassen."
Die Agentur für Arbeit hat signalisiert, dass es für ehemalige Schlecker-Beschäftigte auch ohne Arbeitsbescheinigung Geld gibt. Ihr Fallberater bei der Arbeitsagentur sei ganz optimistisch: "Wenn nicht Sie, wer soll dann etwas finden, hat er gesagt. Zukunftsangst habe ich aber trotzdem."