22.02.2012
"Metropolis" will Grenzen überwinden
Katharina Vorderbrügge startet integratives und interkulturelles Tanzprojekt / Berühmter Stummfilm als Vorlage
VON MICHAELA PODSCHUN

Vlotho/Bad Oeynhausen (va). In der geteilten Stadt Metropolis herrscht der Großindustrielle Fredersen. Während in der Oberstadt die Reichen residieren, leben die Arbeiter tief unter der Erde und arbeiten Tag und Nacht an gigantischen Maschinen, die der Versorgung der Oberstadt dienen.

Über Körperarbeit und Improvisation eigene Choreographien schaffen: Das war das Ziel einer offenen Tanzwerkstatt unter der Leitung von Katharina Vorderbrügge (kl. Bild). Auch im Projekt "Metropolis" können die Teilnehmer etwas Eigenständiges schaffen. Fotos: pr
Über Körperarbeit und Improvisation eigene Choreographien schaffen: Das war das Ziel einer offenen Tanzwerkstatt unter der Leitung von Katharina Vorderbrügge (kl. Bild). Auch im Projekt "Metropolis" können die Teilnehmer etwas Eigenständiges schaffen. Fotos: pr

Mit dem 1925/1926 entstandenen Stummfilm "Metropolis" wagt sich die Vlothoer Musikpädagogin Katharina Vorderbrügge an ein bedeutendes Werk der Filmgeschichte. Der Film war als futuristischer "Science-Fiction-Film" einer der teuersten und wichtigsten seiner Zeit.



80 bis 100 Tänzerinnen und Tänzer werden die Geschichte im Juni auf die Bühne bringen. Mehr noch: Metropolis ist geplant als integratives und interkulturelles Tanzprojekt, innerhalb dessen Menschen verschiedenster Lebensalter, Tanzerfahrungen und sozialer und kultureller Hintergründe gemeinsam auftreten.

"Ich habe mehrere Kooperationspartner gefunden", berichtet Katharina Vorderbrügge, die sich unheimlich auf die Proben und Workshops freut. In Vlotho wirkt das AKE-Bildungswerk und knüpfte schon Kontakte zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Vom Wittekindshof in Bad Oeynhausen machen Jugendliche und Senioren mit geistigen Beeinträchtigungen mit. Hinzu kommen Kinder aus der Kita Sternschnuppe in Eidinghausen.

Während diese Gruppen bereits voll sind, gibt es für Vlothoer Grundschulkinder noch die Chance mitzumachen. In der Kita "Vlohzirkus" am Galgenkamp starten bereits Ende Februar die Proben (siehe Kasten).

All diese Menschen unter einen Hut bringen, Verständigungsschwierigkeiten meistern, verschiedene Begabungen fördern, Grenzen überwinden: Diese Herausforderung nimmt die 33-jährige Musiktherapeutin gerne und mit viel Energie an. "Wer tanzt, braucht keine Worte. Tanz als elementare Kunstform überschreitet Sprachbarrieren und lässt Kommunikation, Verständnis und Respekt zwischen den Menschen unterschiedlichster Herkunft entstehen", betont sie. Das Projekt "Metropolis" soll also Menschen zusammenbringen, die sich sonst vielleicht niemals begegnet wären.

"Der berühmte Stummfilm bietet sich für diese Zielsetzung gut an. Es werden ganz viele Rollen zu besetzen sein, da es ja die Reichen in der Oberstadt und die Arbeiter in der Unterstadt gibt", so Vorderbrügge. Das entstehende Stück orientiert sich an "Metropolis", ebenso soll die Filmmusik verwendet werden. Katharina Vorderbrügge: "Handlung, Ästhetik und Musik des Films bieten eine Fülle von Anregungen für die tänzerische Umsetzung, zudem ist die Thematik auch heute noch aktuell."

Wie die 33-jährige Vlothoerin und zweifache Mutter erzählt, macht auch ihr Sohn Jona mit, er ist in der Grundschulkinder-Gruppe. Wichtig ist ihr, dass niemand irgendwelche tänzerischen Erfahrungen aufweisen muss. Mit Gesten und Bewegungen werde viel ausgedrückt. "Es wird etwas Eigenständiges entstehen. Beim Projekt wird kein bestimmter Stil, wie beispielsweise Jazzdance oder Ballett, getanzt", stellt sie deutlich heraus.

Nähe, Distanz, Kontakt und Körperlichkeit

Die Teilnehmenden können sich durch Körperarbeit und Tanz spielerisch mit grundlegenden Themen wie Nähe und Distanz, Wahrnehmung, Kontakt, Körperlichkeit, Individualität und Kreativität auseinandersetzen. Sie gestalten die Choreographie gemeinsam und können eigene Ideen einbringen. Dadurch werden Selbstwertgefühl, Durchhaltevermögen und Konzentrationsfähigkeit gestärkt, so die Projektleiterin.

Die Erfahrung, in einer großen Gruppe mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen gemeinsam ein Ziel zu verfolgen und intensiv an dessen Umsetzung zu arbeiten, sei außerdem prägend und baue Vorurteile ab. Bühnenbild und Kostüme sollen zudem schlicht gehalten sein.

Katharina Vorderbrügge ist gebürtige Vlothoerin, hat Musiktherapie in Berlin studiert und mehrjährige Erfahrung in der Leitung verschiedener Tanzgruppen und integrativer Tanzprojekte. In den vergangenen Jahren hat sie für den Wittekindshof gearbeitet, seit Anfang 2012 ist sie selbstständig unter dem Namen "Bewegungsweise".

Weitere Kooperationspartner beim Projekt sind in Bad Oeynhausen der "Fo(u)r C-Jugendtreff Nord" und die Druckerei Bad Oeynhausen.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 21.02.2012 um 23:10:46 Uhr

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