Der Umsatz der rund 21000 Handwerksbetriebe in Ostwestfalen-Lippe mit 145000 Beschäftigten sei 2011 um fünf Prozent auf 14,7 Milliarden Euro gestiegen, bilanzierte Lena Strothmann. Laut einer Umfrage seien 93 Prozent der Betriebsinhaber mit der Geschäftslage zufrieden. Über volle Auftragsbücher hätten sich vor allem die Bau- und Ausbauhandwerker gefreut, aber auch das Metallgewerbe habe vom Wirtschaftswachstum profitiert, so die Handwerkspräsidentin.
Mehr Umsätze und steigende Investitionen seien auch für 2012 zu erwarten. Strothmann: "Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Umsatzplus in Höhe von eineinhalb Prozent."
"Da läuft doch etwas schief"
Zwar stieg die Zahl der Beschäftigten leicht um 3,6 Prozent, der sich abzeichnende Fachkräfte- und Nachwuchsmangel bereitet den Verantwortlichen aber Kopfzerbrechen. Für die betriebliche Ausbildung müsse noch mehr geworben werden. Strothmann: "Wir wollen verstärkt Realschüler und Gymnasiasten, aber auch Mädchen und Jugendliche mit Migrationshintergrund gewinnen." Problematisch sei, dass Jugendliche die Vielfalt des Handwerks mit seinen 130 Ausbildungsberufen nicht kennen und vermehrt eine akademische Laufbahn einschlagen würden. "Parallel dazu gibt es an den Unis immer höhere Abbrecherquoten. Da läuft doch etwas schief."
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sei zwar relativ entspannt, dennoch konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden, berichtete Elmar Barella, Leiter der Abteilung Berufsbildung. Insgesamt meldet die Handwerkskammer zum 31. Dezember 2011 exakt 4549 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (-4,85 Prozent gegenüber 2010). Im Kreis Minden-Lübbecke wurden insgesamt 666 Verträge neu abgeschlossen (-7,11 Prozent), im Kreis Herford 469 (-6,20 Prozent). Als Konsequenz aus den rückläufigen Bewerberzahlen würden vermehrt schwache Kandidaten eine Chance bekommen, so Barella. Die gefragtesten Berufe sind Elektroniker, Feinwerkmechaniker sowie Kfz-Mechatroniker, weniger beliebt sind hingegen Bäcker, Fleischer und Friseur.
Die Beliebtheitsskala lässt sich auf die Meisterkurse übertragen. Die Teilnehmerzahlen sind laut Detlef Helfer, Leiter der Abteilung Berufsbildungsstätten, 2011 um 7 Prozent angestiegen. Helfer: "Dennoch liegen die Zahlen immer noch hinter dem Bedarf der Wirtschaft zurück." Der Kammer-Geschäftsfüher wies darauf hin, dass künftig die Meisterprüfung und der Bachelor-Abschluss gleich gestellt seien.
Auch die Betriebsnachfolge war für die Handwerkskammer 2011 ein Thema, denn rein statistisch sind es jährlich mehr als 600 Unternehmen, die ihren Betrieb aus Altersgründen an einen Nachfolger übergeben wollen. "Die Kammer hilft mit einer Betriebsbörse bei der Nachfolgersuche", betonte Wolfgang Borgert, Geschäftsführer für Wirtschaftsförderung. Mehr als 2000 Mal wurden die Berater 2011 bei Fragen rund um die Themen Existenzgründung und Betriebsübernahme konsultiert.